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Sag am Ende leise Servus!

Abschied von den Freunden Bayreuths


Zwischen Bayreuth und vielen Politikbereichen der BRD (Bildung, Infrastruktur, Verteidigung, etc.) gibt es einige Parallelen. Auch die Festspiele wurden in grob fahrlässiger Weise heruntergewirtschaftet. Die Frage stand schon länger im Raum: Unterstütze ich die Festspiele weiter und setze auf das Prinzip Hoffnung, oder gehe ich in Opposition? Jetzt habe ich mich für Letzteres entschieden. Hier der kurze Abschiedsbrief:



Sehr geehrte Frau Besser-Eichler, sehr geehrter Herr Freiherr von Weidenfelds,


hiermit muss ich Ihnen leider mitteilen, dass ich die Gesellschaft der Freunde verlassen werde. Dieser Entschluss ist das Ergebnis eines längeren, schmerzhaften Entfremdungsprozesses mit den Festspielen und deren Leitung. 

Ausschlaggebend dabei waren die strategische Ausrichtung des Hauses sowie die Anbiederung an den Zeitgeist, die langfristig jedes wahre künstlerische Handeln ersticken werden. Letzteres ist natürlich ein Phänomen, das sich an vielen künstlerischen Stätten in unserem Lande abzeichnet. Die Zuschauer werden gezwungen, sinnentstellte Aufführungspraktiken zu goutieren (zumindest zu tolerieren), nur weil sie von einer Minderheit als politisch korrekt deklariert worden sind. Meine Auffassungen zu diesen Punkten habe ich in mehreren Aufsätzen zu Papier gebracht: "Kann Bayreuth als Festival für die „Woke“-Gemeinde bestehen?", Bayreuth: "Ist Wagner noch zu retten?" Teil (1) und Teil (2). Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass ich zu der Überzeugung gelangt bin, dass die künstlerische und wirtschaftliche Krise bereits einen Grad erreicht hat, bei der es eigentlich nur immer weiter nach unten gehen kann, sofern man nicht entschlossen das Ruder herumreißt. Ein Grundproblem erkenne ich im Festhalten an einem ungezügelten Regietheater.  Bis auf den letzten Tristan, der nicht sehr lange im Programm war, habe ich alle Inszenierungen der letzten 20 Jahre mehrmals gesehen. Jetzt stehe ich an dem Punkt, wo ich nicht eine einzige der aktuellen Produktionen erneut sehen möchte. Karten für den völlig verunglückten Ring würde ich nicht einmal geschenkt haben wollen! Auch ein Tatort, der mit der Musik des "Fliegenden Holländers" unterlegt wird, kann mir gestohlen bleiben. Und so weiter! 


Jetzt setzen die Festspiele auf einen weiteren teuren Irrweg: "Verbesserte Realität" ist das neue Zauberwort. Mit ihr soll ein eigentlich ziemlich konventioneller Parsifal aufgeplustert werden. Meiner Überzeugung nach ist dieser Ansatz künstlerisch gänzlich belanglos. Wie es viel besser (und billiger) geht, kann man beispielsweise in der Inszenierung von Michael Thalheimer sehen, die in Genf und Düsseldorf gezeigt wird. Leider hat Katharina Wagner in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass sie nicht in der Lage ist, die Regieposten in sinnvoller Weise zu vergeben.

  

Dem Jahresbericht entnehme ich, dass die "Freunde" das alles fröhlich weiter mitfanzieren sollen und werden, obgleich ihnen keinerlei Mitspracherecht in den wesentlichen (künstlerischen) Aspekten zugestanden wird. Und an diesem Punkt behaupte ich: Es wäre viel besser, das nicht zu tun! Mit meiner Meinung stehe ich nicht alleine, denn es gibt mittlerweile sehr viele Kenner des Werkes Richard Wagners, die Bayreuth den Rücken gekehrt haben. Am Ende ihrer Amtszeit wird man wohl konstatieren müssen, dass Katharina Wagner (gemeinsam mit den Politikern in München und Berlin) die Festspiele zu einem Sammelpunkt der Wagner-Ignoranten gemacht hat, und dies möchte ich nicht mehr unterstützen. 


Es ist sehr schade, dass ich nun den Kontakt zum Team der Gesellschaft der Freunde verlieren werde, den ich immer sehr geschätzt habe.


Mit den besten Wünschen für Ihre Zukunft

Ihr

Bernd Fischer 



Foto: Bernd Fischer

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