Reisen in Zeiten von Corona – Kastilien

Teil 1: Einmal raus aus der BRD


Über drei volle Monate müssen die Bewohner der BRD (unter ihnen die deutsche Landsmannschaft) nun schon einen sogenannten Corona-Lockdown über sich ergehen lassen, zunächst einen, der zwar als ein leichter bezeichnet wurde, jedoch bereits fast alle Formen des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens abwürgte, schließlich einen, der als bona fide Lockdown unter den Hardlinern durchging. Zuletzt wurden unter dem Eindruck der aufgetretenen Mutanten (und Muonkel — so viel Zeit für gendergerechte Sprache muss sein!) die Inzidenzwerte immer weiter heruntergeschraubt bis zu einem Niveau, auf welchem ein Ende des Lockdowns überhaupt nicht mehr absehbar ist, da bei einer hinreichenden Menge an vorgenommenen Testungen bekanntlich schon die falsch positiven Werte ausreichen können, um Corona-Alarm auszurufen. Zu den bedrückendsten Konsequenzen dieser Entwicklung zählen sicherlich die Folgen, die dieses Einsperren im Bewusstsein der Menschen hervorgerufen hat. (Englische Begriffe dienen im Deutschen oftmals dazu den Kern der Aussage etwas zu vernebeln. Daher soll fortan der englische Begriff Lockdown vermieden werden und durch den sehr bezeichnenden deutschen Begriff Einsperren ersetzt werden.) Viele Köpfe in meinem Bekanntenkreis wurden von einer bleiernen Depressivität erfüllt, in Einzelfällen steigerte sich diese fast bis zum Wahn. Das Handeln der Mehrheit ist bestimmt von irrationaler Angst und Misstrauen gegenüber andern, die nur mehr als potentieller Ansteckungsherd erscheinen. Fast scheint es so, dass ein Großteil der Menschen unter einer Art Stockholm-Syndrom leiden, als hätten sie Gefallen daran gefunden, unter diesen erbärmlichen Umständen zu leben! Jede Maßnahme der Regierung wird von ihnen still duldend hingenommen. Trotz offensichtlichem Impfstoffbestellungs-Debakel (die BRD hinkt sogar Marokko und Chile hinterher), trotz Schnelltestdebakel (Aldi und Lidl bieten sie jetzt an!) usw. usw. wird das Krisenmanagement der Bundesregierung noch immer von ihnen als effizient angesehen. Wie so oft in der Vergangenheit schälte sich ein Meinungskorridor heraus, der von fast allen Parteien und den Standardmedien (insbesondere den öffentlich-rechtlichen) getragen bzw. ausgeformt wurde. Wieder einmal bewährte sich das mittlerweile gut einstudierte Prinzip der gesellschaftlichen Ächtung (auch hier vermeiden wir den schwammigen englischen Begriff „Canceling“). Über den, der nicht im ausgeformten Korridor mitschwamm oder strikte Maskendisziplin wahrte, wurde das Scherbengericht abgehalten, wie in vergangenen Zeiten über jemanden, die es gewagt hatte Feindsender einzuschalten. Ganze Länder, die in diesem Einsperrwahn nicht mitzogen (wie Schweden und Großbritannien, das wegen des Brexits ohnehin auf dem Kieker stand) oder die es wagten Impfstoffe zu benutzen, die wir als minderwertig betrachten (die aus dem Osten!!), wurden gnadenlos an den Pranger gestellt. Dabei ist das Debakel doch eigentlich überhaupt nicht mehr zu übersehen, wenn Österreich und Dänemark eine Impfstoffallianz mit Israel bilden! Trotzdem wird es von vielen achselzuckend hingenommen. Jan Fleischhauer fragte ganz zurecht, was denn noch alles geschehen müsse, damit die Menschen umdenken; ob man etwa Fliegerbomben über ihnen abwerfen müsse? (link)


Allerdings erscheint die Lähmung unserer Gesellschaft in der Corona-Krise irgendwie als logische Fortsetzung der Veränderung unserer Gesellschaft durch das Krisenmanagement von Frau Merkel in der Vergangenheit. Bereits dieses hat die Gesellschaft tief gespalten und scheinbar um jegliche natürliche Orientierung gebracht. Immer autoritärer regierte sie durch, wobei sie sich geschickt ihrer großen moralischen Koalition (SPD, Grüne, Die Linke und linker Flügel der CDU) bediente. Mühsam versuchen die meisten sich irgendwie in der Mitte zu orientieren, da sie weder als links noch rechts gelten wollen, auch wenn diese „Mitte“ mit rasender Geschwindigkeit nach links driftet. Jeder einzelne ist gut damit beschäftigt sich ständig an der „neuen“ Mitte ausrichten, um ja nicht in Verdacht zu geraten, rechts zu stehen (weit links zu stehen wird in unserer Gesellschaft problemlos toleriert). Das geschieht sehr schnell, wenn man den jeweils akzeptierten Meinungskorridor (der sich natürlich in analoger Weise nach links verschiebt) zu weit (nach rechts) überschreitet. Dies alles wird übertüncht vom Merkel-Sound, der suggeriert, dass letztendlich alles in dieser komplexen Welt alternativlos und zum Besten geschieht!


Denkmal von Isabel II vor dem Teatro Real.


Merkel gilt allgemein als lausige Rednerin, aber als brillante und besonnene Analytikerin! Bei genauerer Betrachtung stellt man fest, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Denn alle von ihr zu verantwortenden wichtigen Entscheidungen, die zum Verderben der BRD beitragen, wurden doch eigentlich auf einer irrationalen Basis getroffen. Betrachten wir die wichtigsten: Die Eurorettung (in dieser Form) erfolgte gegen den Rat aller Experten (und der damaligen Finanzminister der EU). Unter anderem führt sie dazu, dass deutsche Banken kaum noch ein tragfähiges Geschäftsmodell finden können mit allen Konsequenzen für die Wirtschaft der BRD. Der überhastete Ausstieg aus der Kernenergie erfolgte unter völliger Vernachlässigung der Expertenmeinungen zum Klimawandel. Schließlich führte die gänzlich irrationale Öffnung der Grenzen seit 2015 zu schwersten Konsequenzen für das soziale Gefüge und für das Konstrukt „Europa“!


Erstaunlicherweise wird das Impulsive und Willkürliche ihrer Handlungen aber gänzlich überdeckt von Ihrer hohen Redekunst. Ja, sie haben richtig gelesen, und dies ganz und gar nicht ironisch gemeint (oder vielleicht ein kleines bisschen). Merkel ist sicherlich kein Demosthenes oder Cicero. Aber mit ihrer gleichförmigen Sprache ohne jeglichen rhetorischen Schmuck, ohne Emotionalität hat sie die Massen im Griff. Es ist die Sprache der „Herbergsmutter“ (Nida-Rümelin), die scheinbar genau passt zu unserer infantilisierten, dekadenten Gesellschaft. Die meisten Menschen sind weder in der Lage den Tod, ein Leid oder irgendeine soziale Ungerechtigkeit zu akzeptieren, wenn sie denn einmal aufblicken von den vielen Rate- und Spielsendungen im Fernsehen („Frag doch mal die Maus“) und die Welt durch ihre kindlichen Kulleraugen betrachten. „Die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes haben ein Anrecht auf eine gute Politik.“ wäre ein typischer Satz von ihr, der viele Menschen verzaubern würde… „2015 darf sich nicht wiederholen.“ ist ein weiteres Beispiel für einen VÖLLIG INHALTSFREIEN, aber genialen Satz. Nein, sie ist wahrlich kein Cicero! Aber was hat ihm all seine rhetorische Brillanz eingebracht? Zwar ging der Prozess gegen Catilina zu seinen Gunsten aus, doch schon kurz darauf wurde an ihm seitens der Anhänger Catilinas bitter Rache genommen. Er musste in die Verbannung fliehen und sein Haus wurde niedergebrannt. Zwar schwitzen über seinen gegen Antonius gerichteten philippischen Reden noch heute fortgeschrittene Lateinschüler und Studenten, aber auch diese bekamen ihm sehr schlecht. Denn kurz nachdem er diese Reden im Senat vorgetragen hatte, nahm der tief gekränkte Antonius in übelster Form Rache an ihm. Sein Körper wurde verstümmelt durch die Straßen Roms geschleift, Kopf und Hände wurden auf der Rednertribüne im Forum Romanum ausgestellt. Man könnte Cicero glatt als eine Art Wile. E. Coyote (der Widersacher des Roadrunners) der Antike bezeichnen. Am Ende war es irgendwie immer er, der die Dynamitstange mit der glühenden Lunte in der Hand hielt. Dabei hatte Cicero vierzehn lange, äußerst aufwendige Reden entworfen, um die römische Republik zu retten. Merkel hätte es wohl im Kern bei zwei Sätzen belassen: „Die römischen Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht auf eine gute Politik. Wenn ein Einzelner sich in den Mittelpunkt stellt, das geht gar nicht!“ Und bestimmt wäre sie damit besser gefahren als Cicero. Im Gegensatz zu Cicero erreicht sie nämlich die einfache Volksmasse, deren knapp bemessene Zeit abseits der Spieleshows und Verpflichtungen des Alltags gerade noch ausreicht, um sie in ihrer simplen aber genialen (und gänzlich inhaltsfreien) Rhetorik wahrzunehmen und sich einschläfern zu lassen. Diese wird sie wohl bis zum bitteren Erwachen in dieser Republik tragen.


Das Edificio Metrópolis in der Calle de Alcalá


Und so bestand schon lange der Wunsch einfach nur einmal rauszukommen, raus aus dieser zu einem Narrenschiff verkommenen Republik mit Identitätsdoktrin, Genderwahn, Multi-Kulti-Götzendienst, Ausgrenzung und Ächtung Andersdenkender und der beinahe freiwilligen Abschaffung der bürgerlichen Grundrechte. Verschiedene Gründe aus Rücksicht auf jemand anderen führten zu Verzögerungen. Diverse Planungen scheiterten. Als sich dies jedoch erledigt hatte, startete ich als erstes eine Recherche über Opernhäuser, die zu diesem Zeitpunkt in Europa geöffnet hatten. Endlich einmal wieder in die Oper! Neben einigen Häusern in Osteuropa stieß ich auf das Teatro Real in Madrid. Das Glück war mir hold, denn Spanien wurde am 20. Februar zu einem einfachen Corona-Risikogebiet herabgestuft. Bis zu diesem Zeitpunkt war auch mit der Gefahr zu rechnen, dass die Abschottung total und alle Grenzen geschlossen würden. (Helge Braun und Frau Merkel ist mittlerweile alles zuzutrauen!) Außerdem stand zu befürchten, dass auch die Maßnahmen in Madrid noch einmal verschärft würden. Doch die konservative Regierung der Communidad de Madrid widersetzte sich glücklicherweise nicht nur allen Bestrebungen der Regierung weitere Verschärfungen zu verhängen, sie verschob sogar den Beginn der Ausgangssperre von 22 auf 23 Uhr. Damit war der Würfel pro Madrid gefallen. Allerlei Handbücher zur Kunstgeschichte wurden besorgt und voller Vorfreude die notwendigen weiteren Schritte vorbereitet. Von den Erlebnissen in Madrid, Toledo und Segovia werden die nachfolgenden Artikel künden.



Dieser Artikel ist in leicht modifizierter Form auch auf dem Blog Philosophia Perennis erschienen.

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